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Daten & Governance

Was passiert mit Unternehmensdaten, wenn wir KI verwenden?

Sobald Mitarbeitende Texte, Dokumente oder Fragen an eine KI-Anwendung übergeben, entsteht ein Datenfluss. Entscheidend ist nicht nur das Modell, sondern auch, welche Anwendung, Funktionen, Anbieter und angeschlossenen Systeme an der Verarbeitung beteiligt sind.

Die kurze Antwort

Unternehmensdaten werden von einer Anwendung entgegengenommen, gegebenenfalls um zusätzlichen Kontext ergänzt und zur Verarbeitung an ein KI-Modell übermittelt. Ob Eingaben und Ergebnisse danach protokolliert, gespeichert, für andere Zwecke verwendet oder an weitere Dienste weitergegeben werden, hängt vom Produkt, der Konfiguration und den vertraglichen Bedingungen ab.

Kurz zusammengefasst

  • Verarbeitung, Speicherung und Modelltraining sind unterschiedliche Vorgänge und müssen getrennt geprüft werden.
  • Neben der sichtbaren Eingabe können Dokumente, Systemanweisungen, Suchresultate und Metadaten verarbeitet werden.
  • Schnittstellen, Websuche und angebundene Fachsysteme erweitern den Datenfluss über das eigentliche Modell hinaus.
  • Das Unternehmen bleibt für Zweck, zulässige Daten, Berechtigungen und angemessene Schutzmassnahmen verantwortlich.

Der Datenfluss beginnt vor dem Modell

Eine KI-Anfrage besteht meist aus mehr als dem Text, den eine Person eingibt. Die Anwendung kann Systemanweisungen, Gesprächsverlauf, Benutzerinformationen oder Passagen aus internen Quellen ergänzen. Erst dieses Gesamtpaket wird verarbeitet.

Für eine belastbare Beurteilung muss deshalb der Weg vom Ursprung der Daten bis zum letzten Speicher- oder Aktionssystem sichtbar sein – nicht nur die Verbindung zum Modellanbieter.

  1. Schritt 1

    Eingabe

    Eine Person schreibt eine Frage, fügt Inhalte ein oder lädt ein Dokument hoch.

  2. Schritt 2

    Kontext

    Die Anwendung ergänzt Regeln, frühere Nachrichten oder freigegebenes Unternehmenswissen.

  3. Schritt 3

    Verarbeitung

    Das Modell verarbeitet die übermittelten Inhalte und erzeugt ein Ergebnis.

  4. Schritt 4

    Rückgabe

    Die Anwendung zeigt das Ergebnis an oder bereitet es für einen weiteren Arbeitsschritt auf.

  5. Schritt 5

    Folgesysteme

    Ergebnis und Metadaten können anschliessend in Protokollen, Datenbanken, Tickets oder Fachsystemen landen.

Verarbeiten, speichern und trainieren bedeutet nicht dasselbe

Ein Anbieter muss Daten technisch verarbeiten, damit ein Modell eine Antwort erzeugen kann. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass er die Inhalte dauerhaft speichert oder für das Training verwendet. Umgekehrt bedeutet der Ausschluss vom Training nicht, dass keine Protokolle oder Anwendungsdaten gespeichert werden.

  • Modellverarbeitung: Die Inhalte werden für die aktuelle Anfrage ausgewertet.
  • Anwendungszustand: Gespräche, Dateien oder Assistenten können für eine spätere Nutzung gespeichert werden.
  • Sicherheitsprotokolle: Anbieter können Inhalte oder abgeleitete Signale zur Erkennung von Missbrauch aufbewahren.
  • Training und Verbesserung: Ob Kundendaten dafür verwendet werden dürfen, ist eine eigene Vertrags- und Produkteinstellung.
  • Betriebsmetadaten: Zeitstempel, Konto, Modell, Tokenmenge, Fehler und Kosten können auch ohne vollständigen Inhalt protokolliert werden.

Nicht alle Unternehmensdaten brauchen denselben Schutz

Die zulässige Nutzung lässt sich nicht pauschal für ein ganzes KI-Werkzeug festlegen. Ein öffentliches Produktblatt, ein interner Prozessbeschrieb und ein Vertrag mit Personendaten stellen unterschiedliche Anforderungen. Eine einfache Datenklassifikation schafft verständliche Regeln für Mitarbeitende und Projekte.

  • Öffentlich: bereits veröffentlichte und freigegebene Informationen
  • Intern: Arbeitsunterlagen ohne besondere Vertraulichkeit
  • Vertraulich: Verträge, Kalkulationen, Strategien, Quellcode oder Geschäftsgeheimnisse
  • Personenbezogen: Informationen, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen
  • Besonders geschützt: beispielsweise Gesundheitsdaten sowie Informationen unter Berufs- oder Amtsgeheimnis

Verantwortlichkeiten folgen dem gesamten Datenfluss

Bei einem Cloud- oder KI-Dienst bleibt das nutzende Unternehmen für seine Datenbearbeitung verantwortlich. Es muss wissen, welche Parteien welche Daten zu welchem Zweck verarbeiten, wo dies geschieht und welche Unterauftragnehmer oder Drittanbieter beteiligt sind.

Werden Personendaten in andere Länder bekanntgegeben, müssen zudem die dafür geltenden schweizerischen Anforderungen und Garantien geprüft werden.

Verantwortlichkeiten folgen dem gesamten Datenfluss
StationWelche Daten fliessen?Mögliche Empfänger oder SpeicherorteErforderliche Kontrolle
Eingabe und OberflächeFrage, Upload, Nutzerkennung und Geräte- oder SitzungsdatenEigene Anwendung, SaaS-Oberfläche, Browser-Telemetrie und SupportsystemDaten klassifizieren, unnötige Felder entfernen und inhaltshaltige Logs bewusst konfigurieren
WissenszugriffSuchanfrage, gefundene Passagen, Metadaten und BerechtigungsinformationenQuellsystem, Suchindex, Vector Store, Connector oder IntegrationsdienstRechte bei jeder Anfrage prüfen, Quellenverantwortung festlegen und Rechteentzug testen
ModellverarbeitungSystemanweisung, Nutzerfrage, Kontext, Tool-Ergebnisse und erzeugte AntwortModellanbieter, gewählte Region und dessen genehmigte UnterauftragnehmerProdukt, Vertrag, Region, Trainingsnutzung und Aufbewahrung für den konkreten Endpunkt belegen
Ausgabe und FolgesystemeAntwort, Quellen, vorgeschlagene Aktion, Feedback und BetriebsmetadatenTicketing, E-Mail, Datenbank, Monitoring, Analytics oder ArchivZielberechtigung und Freigabe prüfen, Protokolle minimieren sowie Export und Löschung testen

Schutz entsteht durch Architektur und klare Regeln

Eine interne Richtlinie ist hilfreich, reicht allein aber nicht. Gute Lösungen reduzieren unnötige Daten bereits vor der Modellanfrage und begrenzen Zugriff, Speicherung und Weitergabe technisch.

  1. Schritt 1

    Klassifizieren

    Festlegen, welche Daten für den Anwendungsfall zulässig sind.

  2. Schritt 2

    Minimieren

    Nur benötigte Passagen und Felder übermitteln; Daten nach Möglichkeit anonymisieren oder pseudonymisieren.

  3. Schritt 3

    Konfigurieren

    Training, Aufbewahrung, Regionen und zustandsbehaftete Funktionen bewusst einstellen.

  4. Schritt 4

    Begrenzen

    Rollen, Quellen und Aktionen nach dem Prinzip der geringsten Rechte freigeben.

  5. Schritt 5

    Nachweisen

    Datenflüsse, Einstellungen, Löschung und Protokolle testen und bei Produktänderungen erneut prüfen.

Beispiel aus dem Unternehmensalltag

Beispiel: Vertragsfragen im Kundendienst

Ein Kundendienstassistent soll Fragen zu bestehenden Verträgen vorbereiten. Die Anwendung sucht nur freigegebene Vertragsabschnitte, entfernt für die Aufgabe unnötige Personendaten und übermittelt die relevanten Passagen an das Modell. Rollen bestimmen, wer welche Verträge sehen darf. Antworten enthalten Quellen und werden vor dem Versand geprüft. Vertraglich und technisch ist festgelegt, ob Inhalte gespeichert oder für Training verwendet werden; die eigenen Protokolle enthalten nur die für Qualität und Betrieb benötigten Angaben.

Was Sie mitnehmen sollten

Zeichnen Sie für einen konkreten Anwendungsfall den vollständigen Datenweg vom Benutzer bis zu allen Folgesystemen. Erst danach lässt sich entscheiden, welche Daten zulässig sind und welche technischen, organisatorischen und vertraglichen Kontrollen erforderlich sind.

Quellen und Vertiefung

Diese Primärquellen vertiefen Definitionen, technische Grundlagen oder verantwortlichen Einsatz.

Inhaltlich geprüft

Fachliche Einordnung auf Basis offizieller Quellen. Keine Rechtsberatung; Anforderungen sind für den konkreten Anwendungsfall und Geltungsbereich zu prüfen.

Sie möchten das auf Ihre Situation übertragen?

Wir klären gemeinsam, was für Ihren Prozess, Ihre Daten und Ihre Systeme sinnvoll ist – verständlich und ohne unnötige Komplexität.

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