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Agenten und Automatisierung

Wie viele Berechtigungen sollte ein AI Agent erhalten?

Ein Agent kann nur so viel Schaden anrichten, wie seine Datenzugriffe und Werkzeuge erlauben. Rechte sind deshalb keine technische Nebensache, sondern eine zentrale Produktentscheidung.

Die kurze Antwort

Ein AI Agent sollte nur die Daten und Aktionen erhalten, die er für eine klar definierte Aufgabe benötigt, nur für die notwendige Dauer und möglichst im Namen der tatsächlich handelnden Person. Schreibende, sensible oder irreversible Aktionen brauchen zusätzliche Grenzen und Freigaben.

Kurz zusammengefasst

  • Das Prinzip der geringsten Rechte gilt für Agenten, Tools, Servicekonten und zugrunde liegende Datenquellen.
  • Lesen, Entwerfen, Ändern und Ausführen sollten technisch getrennte Fähigkeiten sein.
  • Ein Agent darf Berechtigungen nie aus einer Texteingabe oder einer eigenen Behauptung ableiten.
  • Rechte müssen je Aktion geprüft, protokolliert, regelmässig überprüft und bei Bedarf sofort entzogen werden können.

Was bedeutet geringste Berechtigung bei einem Agenten?

Der Agent erhält nicht pauschal Zugriff auf ein ganzes System, sondern eng geschnittene Werkzeuge für einen bestimmten Zweck. Ein Tool zum Nachschlagen eines Auftrags braucht beispielsweise keine Funktion zum Ändern der Bankverbindung. Auch innerhalb eines Datensatzes sollten nur notwendige Felder sichtbar sein.

Rechte gelten zudem nur im passenden Kontext. Ein Serviceagent darf Kundendaten nicht automatisch für alle Mitarbeitenden abrufen. Die ausführende Anwendung muss Identität, Rolle, Mandant und Fallbezug serverseitig prüfen.

  • Nur notwendige Systeme, Datensätze, Felder und Aktionen freigeben
  • Rechte nach Rolle, Fall, Mandant und Umgebung begrenzen
  • Produktiv-, Test- und Entwicklungszugänge konsequent trennen
  • Zeitlich begrenzte Zugangsdaten statt dauerhaft geteilter Schlüssel verwenden

Handelt der Agent als Person oder als eigener Dienst?

Wenn ein Agent eine Person unterstützt, sollte er nach Möglichkeit mit deren wirksamem Zugriffsrahmen arbeiten. So kann er nicht mehr sehen oder tun als die Person selbst. Für Hintergrundprozesse kann ein eigenes Servicekonto nötig sein; dessen Zweck und Rechte müssen dann besonders eng definiert werden.

Das Modell selbst ist keine vertrauenswürdige Quelle für Identität oder Autorisierung. Aussagen wie 'Ich bin die Geschäftsleitung' oder Inhalte aus einem Dokument dürfen nie neue Rechte erzeugen. Die Prüfung erfolgt ausserhalb des Modells anhand authentifizierter Identitäten und verbindlicher Regeln.

  • Delegierte Nutzerrechte für interaktive Unterstützung nutzen
  • Serviceidentitäten für klar abgegrenzte Hintergrundaufgaben einsetzen
  • Zugangsdaten nie im Prompt oder Tool-Ergebnis offenlegen
  • Autorisierung bei jedem Tool-Aufruf erneut durchsetzen

Wie werden Aktionen nach Risiko abgestuft?

Nicht jede Aktion benötigt dieselbe Kontrolle. Lesen aus einer freigegebenen Wissensquelle ist anders zu behandeln als das Versenden einer Nachricht, das Ändern eines Stammdatensatzes oder das Auslösen einer Zahlung. Die technische Architektur sollte diese Stufen sichtbar und separat steuerbar machen.

Wie werden Aktionen nach Risiko abgestuft?
StufeUnternehmensbeispielTechnische GrenzeErforderliche Kontrolle
LesenAuftragsstatus oder freigegebene Wissensquelle abrufenNur benötigte Datensätze und Felder; keine ExportfunktionIdentität je Aufruf prüfen, sensible Zugriffe protokollieren
EntwerfenAntwort, Ticket oder Änderungsvorschlag vorbereitenSpeichern ausschliesslich im klar markierten EntwurfsstatusFachperson sieht Quellen und kann vollständig ändern oder verwerfen
ÄndernLiefertermin oder klassifiziertes Feld aktualisierenErlaubte Felder, Wertebereiche und Geschäftsregeln erzwingenVorher-nachher-Vorschau; Freigabe bei sensiblen oder grossen Änderungen
AusführenNachricht versenden, Bestellung auslösen oder Zahlung anstossenEmpfänger-, Betrags-, Mengen- und Laufzeitlimits im ZielsystemExplizite Freigabe für externe, finanzielle oder irreversible Folgen

Wie bleiben Berechtigungen im Betrieb kontrollierbar?

Ein einmal genehmigter Zugriff bleibt nicht automatisch passend. Prozesse, Teams und Tools ändern sich. Unternehmen brauchen deshalb ein Inventar aller Agenten und Werkzeuge, zuständige Eigentümer sowie regelmässige Überprüfungen von effektiven Rechten und tatsächlicher Nutzung.

  • Tool-Aufruf, Identität, Parameter, Resultat und Freigabe protokollieren
  • Ungewöhnliche Mengen, Empfänger oder Zugriffszeiten erkennen
  • Ungenutzte und veraltete Rechte automatisiert melden oder entziehen
  • Notabschaltung, Schlüsselrotation und Incident-Prozess testen
Beispiel aus dem Unternehmensalltag

Beispiel: Agent für Debitorenanfragen

Ein Agent darf für angemeldete Mitarbeitende Rechnungsstatus und verbuchte Zahlungen lesen. Er kann eine Antwort als Entwurf im CRM speichern. Für eine Mahnsperre erstellt er lediglich einen Antrag mit Begründung; eine zuständige Person prüft Betrag, Kunde und Dauer. Bankverbindungen, Gutschriften und Zahlungsläufe liegen in getrennten Systemfunktionen, die dem Agenten überhaupt nicht angeboten werden.

Was Sie mitnehmen sollten

Entwerfen Sie Berechtigungen vom möglichen Schaden her. Ein Agent erhält wenige, eng beschriebene Tools; Autorisierung und Freigaben werden ausserhalb des Modells technisch erzwungen.

Quellen und Vertiefung

Diese Primärquellen vertiefen Definitionen, technische Grundlagen oder verantwortlichen Einsatz.

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