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Agenten und Automatisierung

Was bedeutet Tool Use oder Function Calling?

Mit Tools kann ein Sprachmodell mehr als Text formulieren: Es kann aktuelle Informationen anfordern, Berechnungen auslösen oder vorbereitete Aktionen an ein Unternehmenssystem übergeben.

Die kurze Antwort

Tool Use bezeichnet den Mechanismus, mit dem ein KI-Modell ein bereitgestelltes Werkzeug auswählt und strukturierte Eingaben dafür erzeugt. Die eigentliche Abfrage oder Aktion führt die Anwendung beziehungsweise eine kontrollierte Tool-Laufzeit aus.

Kurz zusammengefasst

  • Ein Tool verbindet das Modell über eine klar beschriebene Schnittstelle mit Daten oder Funktionen ausserhalb des Modells.
  • Function Calling ist eine verbreitete Form von Tool Use, bei der Name und Parameter strukturiert übergeben werden.
  • Das Modell schlägt den Aufruf vor; Berechtigungsprüfung, Ausführung und Fehlerbehandlung bleiben Aufgabe der Software.
  • Schreibende oder irreversible Aktionen benötigen begrenzte Rechte, Validierung und häufig eine menschliche Bestätigung.

Wie funktioniert ein Tool-Aufruf?

Die Anwendung stellt dem Modell eine Liste erlaubter Werkzeuge bereit. Jedes Werkzeug besitzt einen Namen, eine Beschreibung und ein Schema für die erwarteten Parameter. Aus der Nutzeranfrage und diesem Kontext entscheidet das Modell, ob ein Tool hilfreich ist, und erzeugt einen strukturierten Aufruf.

Dieser Aufruf ist zunächst nur ein Vorschlag. Die Anwendung validiert die Parameter, prüft Identität und Berechtigung und führt das Werkzeug aus. Das Ergebnis wird anschliessend an das Modell zurückgegeben, damit es die Antwort fortsetzen oder den nächsten kontrollierten Schritt vorschlagen kann.

  1. Schritt 1

    Werkzeug beschreiben

    Name, Zweck und erlaubte Parameter werden maschinenlesbar definiert.

  2. Schritt 2

    Aufruf vorschlagen

    Das Modell wählt ein Werkzeug und liefert strukturierte Argumente.

  3. Schritt 3

    Prüfen und ausführen

    Die Anwendung validiert Eingabe, Rechte und Geschäftsregeln.

  4. Schritt 4

    Ergebnis zurückgeben

    Das Tool liefert Daten oder einen Ausführungsstatus an die Anwendung.

  5. Schritt 5

    Antwort erstellen

    Das Modell erklärt das Ergebnis oder schlägt einen weiteren erlaubten Schritt vor.

Welche Aufgaben können Tools übernehmen?

Tools können sehr unterschiedliche Fähigkeiten bereitstellen. Entscheidend ist, dass jede Fähigkeit eng beschrieben und technisch begrenzt wird. Ein einzelnes Werkzeug sollte nur die Daten und Aktionen erhalten, die für seinen konkreten Zweck notwendig sind.

  • Lesen: Auftragsstatus, Produktdaten oder freigegebene Dokumente abrufen
  • Berechnen: Preise, Fristen oder Kennzahlen mit verlässlicher Logik bestimmen
  • Erstellen: Einen Entwurf in einem Fachsystem vorbereiten
  • Ändern: Einen Datensatz aktualisieren oder einen Prozessschritt auslösen
  • Kommunizieren: Eine Nachricht vorbereiten oder nach Freigabe versenden

Macht Tool Use aus einer Anwendung automatisch einen Agenten?

Nein. Tool Use ist zunächst nur ein technischer Mechanismus. Auch ein fest definierter Workflow kann genau ein Werkzeug aufrufen: Eine Anfrage wird klassifiziert, Kundendaten werden abgerufen und ein Antwortentwurf wird erstellt. Reihenfolge und Entscheidungspunkte bleiben dabei in der Software festgelegt.

Ein Agent erhält mehr Spielraum, selbst zu entscheiden, welche Werkzeuge in welcher Reihenfolge für ein Ziel benötigt werden. Mit diesem Spielraum steigen Flexibilität, aber auch die Anforderungen an Begrenzung, Beobachtbarkeit und Tests.

  • Function Calling beschreibt die strukturierte Übergabe eines gewünschten Aufrufs.
  • Ein Workflow legt Schritte und Übergänge überwiegend im Voraus fest.
  • Ein Agent kann innerhalb definierter Grenzen den nächsten Schritt auswählen.
  • MCP kann Werkzeuge standardisiert beschreiben und für kompatible Anwendungen bereitstellen.

Welche Kontrollen braucht Tool Use im Unternehmen?

Ein syntaktisch gültiger Tool-Aufruf ist weder fachlich korrekt noch automatisch berechtigt. Die ausführende Anwendung darf sich nicht darauf verlassen, dass das Modell die Identität, Rolle oder Absicht einer Person richtig beschrieben hat.

Auch Tool-Ergebnisse können falsche oder manipulierte Inhalte enthalten. Externe Texte sollten daher als nicht vertrauenswürdige Eingabe behandelt werden und niemals stillschweigend neue Rechte oder Anweisungen erzeugen.

Welche Kontrollen braucht Tool Use im Unternehmen?
AktionsartTypische WirkungNotwendige Kontrolle
LesenStatus, Stammdaten oder freigegebene Dokumente abrufen.Rechte aus der angemeldeten Identität ableiten, Felder minimieren und sensible Antworten protokollieren.
BerechnenPreis, Frist oder Kennzahl mit deterministischer Logik bestimmen.Parameter und Wertebereiche validieren, Rechenversion ausweisen und Fehlercodes nicht durch Schätzungen ersetzen.
Entwurf erstellenEinen Datensatz oder eine Nachricht vorbereiten, ohne sie wirksam zu machen.Entwurf klar kennzeichnen, Pflichtfelder prüfen und vor Übernahme eine Vorschau zeigen.
Ändern oder auslösenDatensatz aktualisieren, Bestellung anlegen oder Prozessschritt starten.Schreib-Tool separat berechtigen, Geschäftsregeln serverseitig prüfen, Bestätigung und idempotente Ausführung verlangen.
Extern kommunizierenE-Mail, Ticket oder Nachricht an Dritte senden.Empfänger und Inhalt sichtbar bestätigen, Mengen begrenzen und Versand mit verantwortlicher Identität protokollieren.

Wie startet man mit einem sinnvollen Tool?

Beginnen Sie mit einer klar begrenzten Aufgabe, deren Eingang, Ergebnis und Verantwortung bekannt sind. Ein lesendes Werkzeug mit nachvollziehbarer Datenquelle eignet sich häufig besser für den ersten Schritt als ein breit berechtigter Agent, der mehrere Systeme verändern darf.

  1. Schritt 1

    Nutzen eingrenzen

    Welche konkrete Information oder Aktion verbessert den Arbeitsablauf?

  2. Schritt 2

    Schnittstelle reduzieren

    Nur notwendige Parameter, Datenfelder und Aktionen freigeben.

  3. Schritt 3

    Rechte festlegen

    Bestimmen, in wessen Namen das Tool handelt und welche Freigabe nötig ist.

  4. Schritt 4

    Fehlerfälle testen

    Ungültige Eingaben, fehlende Daten, Mehrdeutigkeit und Systemausfälle prüfen.

  5. Schritt 5

    Betrieb beobachten

    Tool-Auswahl, Erfolgsquote, Korrekturen, Laufzeit und unerwartete Aufrufe auswerten.

Beispiel aus dem Unternehmensalltag

Beispiel: Auftragsstatus erklären und Änderung vorbereiten

Eine interne Serviceanwendung erhält zwei getrennte Werkzeuge. Das erste darf nach erfolgreicher Anmeldung den Status eines Auftrags lesen. Das zweite darf eine Adressänderung lediglich als Entwurf vorbereiten. Das Modell erkennt die Absicht, liefert die benötigten Parameter und erklärt fehlende Angaben. Bevor die Änderung ausgeführt wird, zeigt die Anwendung alte und neue Adresse und verlangt eine ausdrückliche Bestätigung. Rechteprüfung und Änderung erfolgen im Fachsystem, nicht im Sprachmodell.

Was Sie mitnehmen sollten

Behandeln Sie das Modell als Vorschlagsgeber und die Anwendung als Kontrollinstanz. Gute Tools sind eng geschnitten, verwenden echte Nutzerrechte und machen sensible Aktionen vor der Ausführung sichtbar.

Quellen und Vertiefung

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