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Wissen, Daten und RAG

Was ist das Open Knowledge Format (OKF) – und wann ist es sinnvoll?

Das Open Knowledge Format, kurz OKF, ist ein offenes Dateiformat für kuratiertes Wissen. Es verpackt zusammengehörige Markdown-Dateien mit wenigen Metadaten so, dass Menschen und KI-Agenten dieselben Inhalte lesen, verknüpfen und zwischen Werkzeugen austauschen können.

Die kurze Antwort

OKF organisiert Unternehmenswissen als Verzeichnis aus Markdown-Dateien mit YAML-Metadaten. Jede Datei beschreibt ein Konzept wie eine Kennzahl, Tabelle, API oder Arbeitsanweisung; Links und optionale Übersichtsdateien verbinden die Konzepte zu einem portablen Wissenspaket.

Kurz zusammengefasst

  • Ein Knowledge Bundle ist ein eigenständiges Verzeichnis mit zusammengehörigen Wissensdateien.
  • Ein Concept ist eine einzelne Markdown-Datei; nur das Metadatenfeld type ist verpflichtend.
  • index.md unterstützt eine schrittweise Orientierung, normale Markdown-Links bilden Beziehungen ab.
  • OKF ist ein Format – keine Datenbank, keine RAG-Lösung und kein Berechtigungs- oder Qualitätsprozess.
  • OKF v0.1 ist am 17. Juli 2026 ein früher Draft und noch kein etablierter Industriestandard.

Welches Problem soll OKF lösen?

Wichtiger Kontext liegt in Unternehmen oft verteilt: Definitionen in einem Datenkatalog, Abläufe im Wiki, API-Hinweise im Code und Erfahrungswissen bei einzelnen Personen. Neue KI-Anwendungen müssen diese Zusammenhänge wiederholt aus unterschiedlichen Systemen zusammensetzen.

OKF schlägt dafür eine kleine gemeinsame Austauschstruktur vor. Wissen bleibt in gewöhnlichen, lesbaren Dateien, kann mit Git versioniert und von verschiedenen Produzenten erstellt sowie von verschiedenen Werkzeugen konsumiert werden. Das verringert individuelle Exportformate, löst aber nicht automatisch die inhaltliche Fragmentierung.

  • Von Menschen ohne Spezialwerkzeug lesbar
  • Von Agenten ohne proprietäres SDK verarbeitbar
  • Als Verzeichnis, Git-Repository oder Archiv übertragbar
  • Änderungen, Herkunft und Verknüpfungen nachvollziehbar organisierbar

Wie sind Bundle, Concept, Frontmatter und index.md aufgebaut?

Ein OKF-Bundle ist ein Verzeichnisbaum und zugleich die Einheit, die weitergegeben wird. Darin steht jedes fachliche Konzept in einer eigenen UTF-8-Markdown-Datei. Der Dateipfad ohne Endung dient als Concept ID; normale Markdown-Links verbinden Konzepte miteinander.

  1. Schritt 1

    Knowledge Bundle

    Ein eigenständiges Verzeichnis bündelt Wissen zu einem Bereich, beispielsweise Support, Vertrieb oder eine Datenplattform.

  2. Schritt 2

    Concept

    Eine Markdown-Datei beschreibt genau eine Wissenseinheit, etwa eine Kennzahl, Tabelle, API, Richtlinie oder ein Runbook.

  3. Schritt 3

    YAML-Frontmatter

    Ein Metadatenblock beginnt die Datei. type ist verpflichtend; title, description, resource, tags und timestamp sind empfohlene optionale Felder. Eigene Felder sind möglich.

  4. Schritt 4

    index.md und Links

    Optionale index.md-Dateien führen durch einen Ordner, ohne sofort alle Detaildateien zu laden. Markdown-Links zeigen fachliche Beziehungen über die Ordnerstruktur hinaus.

Wie könnte ein kleines Unternehmensbeispiel aussehen?

Ein Serviceteam erstellt ein Bundle support/. Die Datei index.md erklärt Ziel, Gültigkeit und Einstiegspunkte. metrics/first-response-time.md definiert die Kennzahl «Erste Reaktionszeit», runbooks/escalation.md beschreibt die Eskalation und systems/ticket-api.md dokumentiert die zuständige Schnittstelle.

Die Kennzahl-Datei erhält beispielsweise den Typ Metric, einen verständlichen Titel, den Link zur verantwortlichen Quelle, Tags wie support und sla sowie einen Änderungszeitpunkt. Im Markdown-Text stehen Berechnung, Ausnahmen und ein Link zum Eskalations-Runbook. Ein Mensch kann die Definition direkt prüfen; ein Agent kann anhand von Metadaten und Links gezielt weiterlesen.

  • Ein Concept beschreibt die Kennzahl und nicht die laufenden Ticketwerte selbst.
  • Der resource-Link verweist auf die verantwortliche Quelle oder das beschriebene System.
  • Fachliche Links verbinden Definition, Datenquelle und Handlungsanweisung.
  • Git-Historie kann Änderungen sichtbar machen, ersetzt aber keine fachliche Freigabe.

Wie unterscheidet sich OKF von RAG, MCP und bestehenden Datensystemen?

OKF beschreibt, wie kuratiertes Wissen in Dateien ausgetauscht werden kann. Die anderen Begriffe beantworten andere Architekturfragen. Sie können OKF gemeinsam mit ihnen verwenden, aber nicht gegeneinander austauschen.

Wie unterscheidet sich OKF von RAG, MCP und bestehenden Datensystemen?
BausteinBeantwortet welche Frage?Beziehung zu OKFWarum OKF diesen Baustein nicht ersetzt
RAGWelche Inhalte werden für eine konkrete Frage gesucht und dem Modell gegeben?Ein OKF-Bundle kann eine kuratierte RAG-Quelle sein.RAG Suche, Ranking, Berechtigungsfilter und Antwortprüfung benötigt.
MCPWie greift eine KI-Anwendung standardisiert auf Ressourcen und Werkzeuge zu?Ein MCP-Server kann OKF-Inhalte oder Aktualisierungswerkzeuge bereitstellen.MCP ein Kommunikationsprotokoll und kein Wissensformat ist.
DatenbankWo liegen strukturierte, veränderliche oder transaktionale Werte?OKF kann Schema, Bedeutung und korrekte Verwendung dokumentieren.OKF keine Abfrage-, Konsistenz- oder Transaktionslogik bereitstellt.
DatenkatalogWelche Datenbestände existieren, wem gehören sie und wie werden sie verwaltet?OKF kann als portables Import- oder Exportformat dienen.Ein Katalog Suche, Inventar, Workflows und Governance-Funktionen betreibt.
llms.txtWelche Webinhalte möchte eine Website für Sprachmodelle leichter auffindbar machen?Beide nutzen einfache Textformate, verfolgen aber andere Ziele.llms.txt ein websiteorientierter Wegweiser und OKF ein verknüpftes Wissenspaket ist.

Welche Governance bleibt weiterhin notwendig?

Lesbare und portable Dateien sind nicht automatisch richtig, aktuell oder für alle Personen freigegeben. Die OKF-Spezifikation schreibt weder ein Berechtigungsmodell noch eine feste Taxonomie, Freigabe oder Aufbewahrungsregel vor. Solche Kontrollen muss die Organisation um das Bundle herum gestalten.

  • Fachliche Eigentümer, Gültigkeit und Freigabestatus je Concept festlegen
  • Vertrauliche Inhalte klassifizieren und Zugriff auf Repository, Export und Verbraucher begrenzen
  • Automatisch erzeugte Inhalte vor Nutzung prüfen und Quellen belegen
  • Änderungs-, Lösch- und Archivierungsregeln definieren
  • Unbekannte oder eigene Metadatenfelder bei Verarbeitung erhalten
  • Verbraucher gegen fehlerhafte Links, manipulierte Inhalte und unerwartete Dateigrössen absichern

Wann lohnt sich ein Pilot – und wann sollte man abwarten?

Ein kleiner Pilot ist sinnvoll, wenn Wissen heute bereits als Markdown oder versionierbare Dokumentation vorliegt, mehrere Agenten oder Werkzeuge denselben Kontext benötigen und Portabilität einen konkreten Nutzen hat. Wählen Sie einen begrenzten Bereich, definieren Sie verantwortliche Quellen und testen Sie Export, Import, Links sowie Aktualisierung mit mindestens zwei Verbrauchern.

Abwarten oder nur beobachten sollten Sie, wenn ein einzelnes bestehendes System den Bedarf bereits gut erfüllt, Berechtigungen noch ungeklärt sind oder eine langfristig stabile Spezifikation vertraglich vorausgesetzt wird. Für einen frühen Draft sollten Konverter, Metadaten und Versionen austauschbar bleiben.

  1. Schritt 1

    Begrenzten Bereich wählen

    Mit wenigen verbindlichen Konzepten und einem klaren Nutzerproblem beginnen.

  2. Schritt 2

    Governance ergänzen

    Eigentümer, Klassifizierung, Freigabe, Aktualisierung und Zugriff ausserhalb des Formats definieren.

  3. Schritt 3

    Portabilität nachweisen

    Dasselbe Bundle mit unterschiedlichen Werkzeugen lesen, prüfen und versionieren.

  4. Schritt 4

    Entwicklung beobachten

    Version der Spezifikation festhalten und Änderungen vor einer breiteren Einführung erneut bewerten.

Beispiel aus dem Unternehmensalltag

Mini-Beispiel: Wissen zu einer Support-Kennzahl teilen

Das Unternehmen exportiert Definition, zuständige Datenquelle und Eskalationsablauf in ein kleines OKF-Bundle. Ein Analyse-Agent nutzt die Kennzahldefinition, ein Support-Agent folgt dem verknüpften Runbook und Mitarbeitende prüfen beide Dateien in Git. Live-Ticketzahlen bleiben in der operativen Datenbank und werden über eine kontrollierte API abgefragt; Zugriffsregeln gelten unabhängig vom Format.

Was Sie mitnehmen sollten

Prüfen Sie OKF als leichtgewichtige Austauschschicht, wenn Wissen zwischen Menschen, Agenten und Werkzeugen portabel werden soll. Pilotieren Sie klein und ergänzen Sie das Format bewusst um Berechtigungen, fachliche Verantwortung, Qualitätskontrolle und Versionierung.

Quellen und Vertiefung

Diese Primärquellen vertiefen Definitionen, technische Grundlagen oder verantwortlichen Einsatz.

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