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Agenten und Automatisierung

Was ist das Agent2Agent-Protokoll (A2A) – und wie ergänzt es MCP?

Sobald Agenten verschiedener Teams, Produkte oder Anbieter zusammenarbeiten sollen, genügt ein interner Funktionsaufruf häufig nicht mehr. A2A stellt dafür eine gemeinsame Sprache bereit – nimmt dem Unternehmen aber weder die Prozessgestaltung noch die Sicherheitskontrollen ab.

Die kurze Antwort

Das Agent2Agent-Protokoll, kurz A2A, ist ein offener Standard für die Kommunikation und Aufgabendelegation zwischen eigenständigen AI Agents. Ein Agent kann die Fähigkeiten eines anderen über dessen Agent Card entdecken, Nachrichten austauschen, länger laufende Tasks verfolgen und Ergebnisse als Artifacts erhalten. MCP ergänzt A2A auf einer anderen Ebene: MCP verbindet einen Agenten mit Tools und Kontext, A2A verbindet Agenten miteinander.

Kurz zusammengefasst

  • A2A v1.0 ist die erste stabile Version des offenen Protokolls und unterstützt unter anderem HTTP+JSON, JSON-RPC und gRPC als Bindings.
  • Agent Card, Message, Task und Artifact bilden die wichtigsten fachlichen Bausteine.
  • Polling, Streaming und Push-Benachrichtigungen decken kurze wie auch länger laufende Aufträge ab.
  • A2A beschreibt Kommunikation und Sicherheitsmechanismen, macht eine Agentenverbindung aber nicht automatisch vertrauenswürdig oder sicher.

Welche Bausteine verwendet A2A?

A2A behandelt den entfernten Agenten als eigenständigen Dienst. Der aufrufende Agent muss dessen interne Prompts, Modelle oder Tools nicht kennen. Er sieht stattdessen eine veröffentlichte Beschreibung der Fähigkeiten und tauscht standardisierte Objekte mit ihm aus.

Die Agent Card ist dabei eine Selbstauskunft und keine automatische Vertrauensgarantie. In A2A v1.0 kann sie signiert werden; ihre Herkunft, Signatur, Aktualität und die tatsächlich erlaubten Fähigkeiten müssen trotzdem durch die umgebende Plattform geprüft werden.

Agent Card
Beschreibt Identität, Endpunkte, unterstützte Protokollversionen, Fähigkeiten, Skills und angebotene Sicherheitsverfahren eines Agenten.
Message
Transportiert eine Eingabe, Rückfrage oder Antwort zwischen Client und Agent. Inhalte können aus mehreren Teilen wie Text, Dateien oder strukturierten Daten bestehen.
Task
Repräsentiert einen zustandsbehafteten Auftrag, dessen Bearbeitung länger dauern, Rückfragen benötigen oder abgebrochen werden kann.
Artifact
Ist ein vom Agenten erzeugtes Ergebnis, beispielsweise ein Bericht, eine Datei oder ein strukturiertes Datenset. Zwischenstand und finales Resultat müssen unterscheidbar bleiben.

Wie läuft eine A2A-Zusammenarbeit ab?

Eine kurze Anfrage kann unmittelbar mit einer Message beantwortet werden. Wird daraus ein länger laufender Auftrag, liefert der Agent einen Task mit Status und späteren Updates. Das Protokoll unterstützt damit nicht nur einen synchronen Frage-Antwort-Ablauf, sondern auch inkrementelle und asynchrone Bearbeitung.

  1. Schritt 1

    Fähigkeit entdecken

    Der Client liest eine Agent Card und prüft Version, Endpunkt, angebotene Skills, Sicherheitsverfahren und Vertrauenswürdigkeit.

  2. Schritt 2

    Auftrag als Message senden

    Ziel, Kontext und erlaubte Daten werden so knapp und strukturiert wie möglich übermittelt. Die Berechtigung wird ausserhalb des freien Nachrichtentexts durchgesetzt.

  3. Schritt 3

    Message oder Task erhalten

    Eine kurze Antwort kann direkt zurückkommen. Für längere Arbeit entsteht ein Task mit eindeutiger Kennung und nachvollziehbarem Zustand.

  4. Schritt 4

    Fortschritt empfangen

    Je nach Dauer und Infrastruktur nutzt der Client Polling, einen Streaming-Kanal oder Push-Benachrichtigungen und behandelt Wiederholungen idempotent.

  5. Schritt 5

    Artifacts prüfen und übernehmen

    Ergebnisse werden fachlich validiert, ihrer Task- und Agentenversion zugeordnet und erst danach in einen Folgeprozess übernommen.

Wie unterscheiden sich A2A, MCP und eine normale API?

Die drei Ansätze konkurrieren nicht zwingend. Sie lösen unterschiedliche Integrationsprobleme. Eine Architektur kann eine Fach-API als verlässliche Systemgrenze, MCP für die kontrollierte Tool-Nutzung innerhalb eines Agenten und A2A für die Delegation zwischen unabhängigen Agentendiensten kombinieren.

Wie unterscheiden sich A2A, MCP und eine normale API?
BausteinVerbindetGeeignet fürNicht seine Aufgabe
A2AEigenständige Agenten über System- oder OrganisationsgrenzenFähigkeiten entdecken, Aufgaben delegieren, Status und Ergebnisse austauschenKeine fachliche Berechtigung und kein Ersatz für interne Prozesskontrollen
MCPAI-Anwendung oder Agent mit Tools, Ressourcen und Vorlagen eines ServersEinheitlicher Zugriff auf bereitgestellte Fähigkeiten und KontextKeine allgemeine Koordination eigenständiger Agenten
Fach-APISoftwarekomponenten über explizite Endpunkte und DatenverträgeStabile, testbare Systemaktionen und Abfragen mit klarer SemantikKeine flexible Zielverhandlung oder agentische Aufgabenbearbeitung
Interner FunktionsaufrufKomponenten derselben AnwendungEnge, schnelle Integration unter gemeinsamer KontrolleKeine interoperable Grenze für unabhängige Anbieter oder Teams

Wann lohnt sich A2A – und wann nicht?

A2A wird interessant, wenn zwei Agenten unabhängig betrieben, unterschiedlich implementiert oder organisatorisch getrennt verantwortet werden. Innerhalb einer einzelnen Anwendung erzeugt das Protokoll dagegen oft mehr Komplexität als Nutzen. Ein stabiler, vollständig spezifizierbarer Datenaustausch bleibt meist mit einer normalen API einfacher und besser testbar.

  • Sinnvoll: Ein Einkaufsagent delegiert eine Lieferantenprüfung an einen separat verantworteten Compliance-Agenten.
  • Sinnvoll: Mehrere Anbieteragenten sollen über eine gemeinsame, versionierte Grenze zusammenarbeiten.
  • Sinnvoll: Eine Aufgabe dauert länger und benötigt Status, Rückfragen oder mehrere Ergebnisartefakte.
  • Nicht nötig: Ein einzelner Agent ruft lediglich Datenbank-, Such- oder E-Mail-Tools auf – dafür passt häufig MCP oder eine direkte API.
  • Nicht ideal: Ein deterministischer Systemprozess besitzt bereits einen stabilen API-Vertrag und braucht keine freie Aufgabendelegation.

Welche Kontrollen braucht A2A im Unternehmen?

TLS, Sicherheitsschemata und signierte Agent Cards schaffen technische Grundlagen, ersetzen aber keine Vertrauensentscheidung. Der empfangende Agent muss jeden Aufruf authentisieren und für die konkrete Ressource und Aktion autorisieren. Auch ein korrekt identifizierter Partner darf nur die minimal erforderlichen Daten und Fähigkeiten erhalten.

A2A v1.0 bringt Versionsverhandlung und mehrere Bindings mit. Unternehmen sollten dennoch zulässige Versionen und Erweiterungen festlegen, Kompatibilität testen und einen kontrollierten Migrationsweg vorsehen. Protokollversion, Agent-Version aus der Agent Card, Task, Identität, Freigaben und Artifacts gehören gemeinsam in die technische Nachvollziehbarkeit.

Welche Kontrollen braucht A2A im Unternehmen?
KontrolleKonkrete UmsetzungZu prüfender Fehlerfall
Identität und AuthentisierungServerzertifikat und Agent-Card-Herkunft prüfen; Client mit geeignetem Verfahren wie OAuth 2.0 oder mTLS authentisierenUnbekannter oder imitierter Agent verwendet eine bekannte Agent Card
Autorisierung und Least PrivilegeRechte pro Mandant, Skill, Datentyp und Aktion durchsetzen; keine pauschale Weitergabe der NutzerrechteLegitimer Agent fordert Daten ausserhalb seines Auftrags an
DatenminimierungNur erforderliche Message-Teile und Artifacts übertragen; sensible Felder klassifizieren und filternEin Zwischenstand enthält unnötige Kunden- oder Zugangsdaten
ProtokollierungTask-Verlauf, Statuswechsel, aufrufende Identität, Freigaben, Versionen und Ergebnisübernahme korrelierbar erfassenEin Artifact lässt sich später keinem Auftrag und keiner verantwortlichen Instanz zuordnen
Versionierung und AusfallUnterstützte Versionen festlegen, Vertragstests durchführen, Zeitlimits, Abbruch und Wiederholungen kontrollierenEin Update verändert Feldsemantik oder ein Retry führt eine Aktion doppelt aus
Beispiel aus dem Unternehmensalltag

Beispiel: Lieferantenprüfung über zwei Agentensysteme

Ein Beschaffungsagent erstellt aus einer Anfrage einen strukturierten Prüfauftrag. Über die signierte Agent Card findet er den freigegebenen Compliance-Agenten und sendet nur Lieferanten-ID, Land, Prüfzweck und benötigte Frist. Der Compliance-Agent erzeugt einen Task, meldet fehlende Angaben zurück und liefert später einen Prüfbericht als Artifact. Der Beschaffungsagent darf den Bericht anzeigen, aber keine Sperre aufheben. Identitäten, Versionen, Statuswechsel und die menschliche Freigabe werden protokolliert. Direkte ERP-Buchungen erfolgen weiterhin über eine eng begrenzte Fach-API.

Was Sie mitnehmen sollten

Setzen Sie A2A dort ein, wo unabhängige Agenten wirklich Aufgaben und Ergebnisse austauschen müssen. Verwenden Sie MCP für Tools und Kontext sowie Fach-APIs für stabile Systemaktionen – und behandeln Sie jede Agentengrenze wie eine reguläre, sicherheitskritische Serviceintegration.

Quellen und Vertiefung

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